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Saturday, January 19, 2008

Ein respektierter Mörder

Diesen Artikel gibt es ab sofort unter http://dejarus.wordpress.com

Am 2. Juli 2002 fand über den Bodensee eine sehr schwere Flugzeugkatastrophe statt, bei der 71 Menschen den Tod fanden. Dieser Vorfall hatte damals einen sehr starkes Medienecho hervorgerufen. Vitalij Kaloev, der bei diesem Vorfall seine beiden Kinder und die Ehefrau verloren hat, ermordete 2005 den vermeintlich für das Unglück verantwortlichen Fluglotsen Peter Nielsen und wurde dafür am 26. Oktober 2005 zu 8 Jahren Haft verurteilt. Nach einer Revision seiner Haftlänge auf 5 Jahre im Juli 2007, ist er jetzt nach dem Verbüßen der Hälfte der Strafe freigekommen und wurde sofort zum Stellvertreter des Ministers für Bau und Architektur der kaukasischen Teilrepublik Nordossetien ernannt. Warum?

Nun, Kaloev ist sehr beliebt in seiner Heimatrepublik. Wie "Echo Moskvy" berichtet wurde er in Nordossetien sogar zum Mann des Jahres 2007 gekürt. Der gelernte Architekt sei in seiner Heimat populärer als der Europa- und Weltmeister im Ringen Georgy Ketoev.

Nordossetien ist eine Kaukasusrepublik an der Grenze mit Georgien. Hier ist die Gesellschaft anders organisiert als im westlich orientierten Moskau oder St. Petersburg. Hier regieren die Familienclans und es gelten andere Gesetze. Blutrache ist keine Seltenheit. Es ist der "Osten".

Das gemeine Volk hat ein einfaches Bild vom Vorfall: Die Kinder haben eine Reise nach Westen gewonnen und kamen nicht zurück. Für ihren Tod muss jemand verantwortlich sein. Und unsere Medien haben ihnen Peter Nielsen geliefert. Man hat in Nordossetien kaum Verständnis für die totale Überforderung der Fluglotsen bei Ihrer Arbeit. Und deshalb gilt Kaloev hier als ein sehr ehrenhafter Mensch, der den Mord an seiner Familie und den anderen Flugzeuginsassen gerächt hat.

Es bleibt unklar, ob Kaloev selbst Blutrache üben wollte. Seinen eigenen Angaben zufolge, sei er 3 Jahre nach dem Unglück in die Schweiz zu fahren, um nach einer Entschuldigung von der Firma "SkyGuide" für das ihm zugefügte Leid zu verlangen. Als er dann zum Haus des Fluglotsen gegangen sei um ihm die Fotos seiner Kinder vorzuhalten, habe dieser seine Hand abgeschlagen, so dass die Fotos runtergefallen seien. Daraufhin hätte er das Gefühl gehabt, dass seine Kinder sich noch einmal "im Grabe umdrehen würden".

Monday, November 26, 2007

Zerstörung von Wahlplakaten in Inguschetien

In Inguschetien , einer kleinen Teilrepublik Russlands, kommt es in diesen Tagen zu einem öffentlichen Widerstand gegen die Partei "Einiges Russland". Wie von ingushetiya.ru berichtet, wurden in der Nacht auf den 26. November in der ganzen Republik Wahlplakate der regierenden Partei verbrannt oder beschädigt. Damit soll die Bevölkerung ihren Protest über die Politik der Gouverneurs Syasikov bekunden. Er ist auch regionaler Leiter der Partei.

In der Hauptstadt Inguschetiens Nasran, wurde dem Bericht zufolge jedes Plakat beschädigt, obwohl über 40 Polizeibeamte allein für die Sicherheit der Plakate abgestellt wurden.

Ein Journalist wurde Augenzeuge eines denkwürdigen Vorfalls. Als Polizeibeamte einige Jugendliche bei der Zerstörung der Wahlplakate gesehen haben, sollen diese aus das Feuer aus Maschinengewehren eröffnet haben (Rusinform: wahrscheinlich in die Luft). Anstatt wegzulaufen, seien aber die Jugendlichen mit Steinen auf die Polizisten los. Der Dienstwagen sei völlig zerstört worden und die Polizisten seien nur mit Hilfe der Anwohner gerettet worden.

Inguschetien ist eine Nachbarrepublik von Tschetschenien. Diese muslimisch geprägte Teilrepublik ist seit einiger Zeit Quelle von Unruhen. Unter dem Deckmantel des Kampfes gegen den Terror werden unschuldige Menschen getötet und immer die einheimische Bevölkerung als Täter hingestellt. Die vorwiegend russischen Sicherheitskräfte morden offen auf der Straße mit einer solchen Dreistigkeit, dass sogar breite Bevölkerungsmassen zum Widerstand gezwungen werden.

Durch diese Politik wird ein Nährboden für die islamistischen Kämpfer gebildet. Die Anzahl der Anschläge und die Menge der russichen Truppen in Inguschetien steigen seit über einem Jahr. Die Lage ist sehr explosiv. Inguschetien, ist geschichtlich immer eine sehr gemässigte Republik gewesen und droht sich nun in einen bürgerkriegsähnliches Gebiet zu verwandeln.

Das zeigte sich unter anderem auch an diesem Wochenende als die Polizei eine friedliche Demonstration in Nasran mit Schusswaffen auseinander getrieben hat. Wie der Radiosender "Echo Moskvy" berichtet gab es auch Schussverletzungen.